Fachseminar Musik

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

für den Fall, dass Sie in Hameln Ihr Musikreferendariat absolvieren oder sich zunächst lediglich informieren möchten, habe ich unser erstes Treffen schon einmal etwas geplant, wie wir es auch für sogenannte “Gemeinsame Unterrichtsbesuche” tun würden...

 

Udo Melloh-Sowa, StD
Fachleiter für Musik am Studienseminar Hameln

 

 

 

Entwurf zum ersten gemeinsamen Unterrichtsbesuch im Fach Musik

 

Ort: Studienseminar Hameln

Lerngruppe: neue Referendarinnen/Referendare

Datum: ca. eine Woche nach der Vereidigung

Zeit: ein abzusprechender Werktag, ca. 13:30 Uhr

Raum: Lounge des Studienseminars

 

Thema der Unterrichtseinheit: Der erfolgreiche Musiklehrer

Thema der Stunde: Einführung in die Ausbildung zum Musiklehrer

 

 

1. Voraussetzungen der Stunde

 

1.1  Bild der Lerngruppe
Die Größe der Lerngruppe variiert. Sie besteht aus acht bis zwölf Referendaren*. Diese werden umgehend in den Kreis der älteren Jahrgänge integriert. Über Kenntnisse, Fähigkeiten und Schwächen können keine Aussagen gemacht werden, da ich die Lerngruppe heute zum ersten Mal sehe. Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine fundierte universitäre Ausbildung als Startpunkt angenommen werden kann. Die Unterrichtsatmosphäre ist erfahrungsgemäß von einer knisternden Anspannung geprägt, die darauf zurückzuführen ist, dass beim ersten gegenseitigen Abscannen sowohl der Fachleiter als auch die Referendare darum bemüht sind, ein möglichst positives Bild von sich zu geben.

 

1.2  Informationen zum Unterrichtszusammenhang
Basierend auf den theoretischen Kenntnissen über Pädagogik und den ersten unterrichtlichen Erfahrungen im Studium sollen in dieser ersten Stunde der Einheit die konkreten Rahmenbedingungen zum Ausbildungsgang im Fach Musik thematisiert werden. In den Folgestunden wird, von Fachsitzungen begleitet, Unterricht geplant, durchgeführt und reflektiert. Nach mindestens einem Besonderen Unterrichtsbesuch, (ggf. der Schriftlichen Arbeit) und dem Prüfungsblock endet die Einheit in der Regel mit dem erfolgreichen Bestehen des Examens.

 

 

2. Didaktische Analyse

 

2.1 Sachanalyse

2.1.1 Der Fachleiter (FL)
Udo Melloh-Sowa, FL für Musik am Studienseminar in Hameln / mit eigenem Unterricht am Viktoria-Luise-Gymnasium / *1958 / Studium an den Universitäten Göttingen und Osnabrück: Musik und Englisch / Referendariat in Hannover / verheiratet / zwei erwachsene Töchter / in verschiedenen Musikgruppen aktiv / erreichbar: melloh@gmx.de

 

2.1.2 Die Ausbildung
Unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen (APVO-Lehr) wird jeder Referendar individuell ausgebildet. Ausgehend von der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur werden geeignete didaktische und methodische Konzepte geplant, durchgeführt und reflektiert. Ziel ist der lebendige Musikunterricht, der die besonderen Möglichkeiten des Faches Musik nutzt: Erkenntnisgewinn durch reflektiertes handlungs- und eben praxisorientiertes Umgehen mit Musik mit allen Präsentationsmöglichkeiten, die Schule bietet. Der Referendar soll sich seiner Doppelrolle als Musiklehrer und Dirigent bewusst werden.

Während des anderthalbjährigen Referendariats bilden Stundenbesprechungen den Ausbildungsschwerpunkt. Unterrichtsentwürfe bilden die Grundlage für die Unterrichtsbesuche (UBe) und die beiden gemeinsamen Unterrichtsbesuche (GUBe). Zusätzlich werden Hospitationen im AG-Bereich angeboten.

Die Fachsitzungen finden alle zwei Wochen in den Musikräumen des Viktoria-Luise-Gymnasiums statt (1km vom Seminar entfernt). Hier sind optimale mediale und räumliche Voraussetzungen auch für die Musiklehrerausbildung gegeben. Neben curricular angelegten, ständig aktualisierten fachdidaktischen Themen (Ganzwerkdidaktik am Beispiel der Oper und Sinfonie, Rock-Popmusikdidaktik, musikpraktisches Zirkeltraining etc.) nehmen die Organisation von Besuchen, Diskussion aktueller, konkret unterrichtlicher  Probleme einen festen Raum ein. Aber auch das Einstudieren von Musikstücken anlässlich seminarinterner Feierlichkeiten hat hier seinen Platz und trägt zur kollegialen, ständig an der Praxis orientierten Atmosphäre bei.

 

2.1.3 Beobachtungskriterien  für die ersten Hospitationen im Musikunterricht
Neben allgemeinen Beobachtungskriterien, die im Pädagogischen Seminar thematisiert werden, sind im Musikunterricht im Besonderen das interaktive Verhältnis der Theorie- und Praxisanteile von Interesse. Diese Beobachtung erfordert schon ein beachtliches Maß an Analysefähigkeiten. Einfacher ist es, die zwei typischen Rollen des Musiklehrers zu beobachten: in welcher Phase ist er tatsächlich Musiklehrer, in welcher aber muss er in die Rolle des Dirigenten schlüpfen?

 

2.1.4. Unterricht in eigener Verantwortung (U.i.e.V.)
Im Gegensatz zum Hospitationsunterricht ist im U.i.e.V. der Referendar für sein Handeln voll verantwortlich. Daher müssen im Bereich der Planung die Säulen einer Musikstunde (Schwerpunktsetzung, didaktische Reduktion, Musikpraxis) sofort vermittelt werden. Der U.i.e.V. wird in Unterrichtseinheiten gegliedert. Die Curricularen Verordnungen sowie der schulinterne Lehrplan müssen beachtet werden. Der U.i.e.V. im Fach Musik wird u.a. über das Musikbuch und das Führen einer Mappe (für die Ergebnissicherung, Notenblätter, AB…) organisiert.

 

2.2 Didaktische Überlegungen
Eine Einführung in die Ausbildung wird von der APVO-Lehr vorgeschrieben, bietet sie doch wegen der homogenen Interessenslage der neuen Referendare den Vorteil des intensiven Informationsaustausches, beschränkt auf die für den Beginn der Ausbildung unmittelbar wichtigen Mitteilungen. Aus diesem Grunde wird zum Beispiel auf die Thematisierung der gesamten in den Fachsitzungen zu behandelnden fachdidaktischen Themen verzichtet. Der Schwerpunkt wird auf den unmittelbar beginnenden U.i.e.V. gelegt, hier wiederum hauptsächlich auf die Planung. Die Durchführung von Unterricht kann hier noch nicht im Detail thematisiert werden.

 

2.3 Unterrichtsziele
Die Referendare sollen

1. den Fachleiter kennen lernen, indem sie ihn mit fast allen verfügbaren Reizen wahrnehmen.
2. die Reaktionen des Fachleiters während der eigenen Vorstellung analysieren und ggf. Nachfragen beantworten.
3. die grobe Struktur der Ausbildung nachvollziehen können, indem sie z. B. die Termine der Fachsitzungen notieren.
4. erste Beobachtungskriterien für die Hospitation im Musikunterricht erörtern und notieren.
5. U.i.e.V. ansatzweise kompetenzorientiert planen und durchführen können

 

 

3. Methodische Überlegungen

 

Der genaue Termin für dieses erste Treffen wird über das Sekretariat mitgeteilt. Die Stunde beginnt in einem der Seminarräume, vorzüglich in der Lounge. Die Ausstattung dieses Raumes kommt dem Duktus der Stunde entgegen. Nach einer ersten Begrüßung als Einstieg stellen sich zunächst die Referendare vor. Die Reihenfolge soll hierbei nicht festgelegt werden, um kein Gefühl von Rangordnung entstehen zu lassen. Wünschenswert wären die Angabe von Studienort, zweitem Fach, Hauptinstrument, musikalische Neigungen sowie Erwartungen an das Referendariat. Arbeitsblatt (AB) 1 dient der Sicherung. Im Anschluss daran stellt sich der Fachleiter kurz vor, mit Nachfragen wird gerechnet (AB 2). Je nach Anzahl der neu beginnenden Referendare bietet sich als Sozialform das Unterrichtsgespräch (UG) an, für das Studium der Blanko- oder Musterstundenentwürfe, AB 3 und 4, die Einzelarbeit (EA). Besonders für die Phase „4b“ (U.i.e.V., siehe Verlauf) ist mit erheblichen Schwierigkeiten zu rechnen, die an konkreten Fallbeispielen entschärft werden sollen. Die Vermittlung von Fakten geschieht frontal. Generell soll nicht zu eng gelenkt werden, so dass auch Exkurse in unvorhergesehene Themenbereiche möglicht werden.

 

*) Ich verwende den Begriff  „Referendare“ und „Musiklehrer“ geschlechtsneutral