Fachseminar Geschichte

„Geschichte ist eine Fortsetzungsserie.

Die meisten aber steigen bei irgendeiner Folge ein

und kapieren nichts.“ – Durs Grünbein

 

 

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

 

ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein befähigt uns dazu, innezuhalten, wenn wir einer der großen Fragen der Gegenwart begegnen. Voreilige Gleichsetzungen, Schlussfolgerungen und Relativierungen können wir vermeiden, um an ihre Stelle eine objektive und konstruktive Auseinandersetzung mit Vergangenem und Gegenwärtigem treten zu lassen. Diese Fähigkeit hat eine hohe Gesellschaftsrelevanz, und da Sie hier sind, um sich über das Referendariat im Fach Geschichte zu informieren, bestehen gute Gründe zu der Annahme, dass Sie – anders als diejenigen, von denen Durs Grünbein spricht – bereits über ein solches Geschichtsbewusstsein verfügen. Was die Gesellschaft als relevant erachtet, entspricht jedoch nicht unbedingt der Sicht Ihrer künftigen Schüler. Zu lernen, deren Blick einzunehmen und deren Geschichtsbewusstsein in ein möglichst reflektiertes zu überführen, ist Ihre Aufgabe im Referendariat.

 

Mit zunehmender Sicherheit schöpfen Sie lernrelevante Themen aus der Geschichte und der Geschichtskultur. Sie finden altersangemessene, interessante, herausfordernde und somit motivierende Zugänge. Ihr Unterricht wird sich auf Rekonstruktion und Dekonstruktion konzentrieren, auf Narrationskompetenz und historische Sinnbildung. Sie ermöglichen Schülern Einsichten in den Prozesscharakter von Geschichte und befähigen Sie zur historischen Urteilsbildung. Ihre Lernarrangements werden sich durch Problem- und Handlungsorientierung auszeichnen. Über Perspektivierung ermöglichen Sie Ihren Schülern Alteritätserfahrungen; die Voraussetzung für ein Fremdverstehen im Sinne eines Verständnisses, das – frei nach Erich Kästner – nicht mit einem Einverständnis gleichzusetzen ist und zur interkulturellen Bildung beiträgt. Da träges Wissen schnell vergeht, bauen Sie Überblicks- und Transferwissen auf und streben eine hohe Aktivierung und Selbständigkeit Ihrer Schüler an. Dabei wahren Sie eine funktionale Verknüpfung von Medien- und Methodenkompetenz, stets in dem Bewusstsein, dass Kompetenzen keinen Selbstzweck erfüllen, sondern in dienender Funktion für das Gelingen Ihrer Lernziele stehen. Schließlich soll auch das Lernen selbst Gegenstand Ihres Unterrichts sein, weshalb Aspekte der Metakognition mit einfließen werden. Ihre Schüler sollen keine Rezepte auswendig lernen, sondern zu mündigen Bürgern heranreifen können.

 

Das sind hohe Ansprüche, und in dieser dichten Zusammenstellung mögen sie sogar erschlagend wirken. Zunächst aber sind es Ansprüche an uns selbst, Ihre Ausbilder. Wir bieten Ihnen eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis sowie regelmäßige Beratungen, deren Ziel es ist, Sie individuell darin zu unterstützen, eine professionelle Lehrerpersönlichkeit zu entwickeln, fußend auf Ihren ureigenen Stärken. Nutzen Sie unser Angebot und probieren Sie sich aus! Erwachsenenbildung lebt von Ihrer Bereitschaft, konstruktiv an sich zu arbeiten. Im Spannungsfeld zwischen Fachwissenschaft, -didaktik und -methodik können Sie große kreative Freiheiten erfahren, die es Ihnen ermöglichen, Unterricht zu gestalten, der Ihren Schülern – aber auch Ihnen selbst –  Freude an der Erkenntnis bereitet.

 

Wir sind gespannt darauf, Sie kennenzulernen!

 

Ihre Ausbilder im Fach Geschichte,

Oliver Wellinghoff & Jörn Fielitz