Fachseminar Geschichte

Von der Fachwissenschaft zur Fachdidaktik

 

Während Ihres Geschichtsstudiums haben Sie gelernt, eine Quelle, wie z.B.  diese Sachquelle, aus einem möglichst komplexen Kontext heraus so zu  interpretieren, so dass deren Bedeutung historisch nachvollziehbar dargelegt  werden kann. Grundsätzlich geht es dabei darum, den historischen Gegenstand aus  einem Faktorengefüge heraus zu verstehen und einen entsprechenden historischen  Sinn ausmachen zu können. Sie müssen dann u.U. nachforschen, wie und von wem das  Denkmal genutzt wurde, wer der Auftraggeber war, welche Planungsstufen des  Denkmals als Baupläne vorliegen, welche Geschichte das 164er Infanterieregiment  hatte, welche Rolle die so genannte Dolchstoßlegende spielt, welche Reden bei  der Einweihungsfeier gehalten wurden, wer die Geldmittel aufbrachte etc.  Vielleicht würden Sie aber auch noch ganz andere Erkenntnisinteressen verfolgen.  Nur in relativ schwachen Bezügen werden Sie sich in der fachwissenschaftlichen  Forschung um die Gegenwartsbedeutung der Anlage kümmern.

Fachseminar Geschichte in Hameln

Als Geschichtslehrerin oder Geschichtslehrer brauchen Sie die Kompetenzen zur historischen Interpretation, die Sie im Studium erworben haben, unbedingt als  Voraussetzung. Sie bilden den notwendigen sachkundigen Hintergrund Ihres  Unterrichts. Im Zentrum einer didaktischen Analyse steht allerdings eine  Umkehrung der Blickrichtung. Im Geschichtsunterricht wird der Gegenstand  exemplarisch aufgegriffen, um darin unterschiedlichste historische Erkenntnisse  zu kristallisieren. Wir fragen von der Gegenwart aus und so aus einem Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart, u.U. sogar Zukunftserwartung. Welche historischen Sinnzusammenhänge lassen sich über diesen Gegenstand erschließen? Welche Erfahrungen habe ich mit der Wahrnehmung solcher oder ähnlicher Denkmäler gemacht? Warum wird die Anlage heute noch betrieben? Was  weiß man heute noch über die Entstehungszusammenhänge?

Fachseminar Geschichte im Studienseminar Hameln

Dadurch ändern sich grundlegend die Bezüge und Fragestellungen. Der historische Gegenstand erscheint nun im Spannungsfeld von Vergangenheit,  Gegenwart und Zukunft, aber auch von Lerngruppe und historischer Sache. Es geht um Orientierung für Schülerinnen und Schüler, und zwar in der Geschichte, aber auch durch die Geschichte, also um historische Sinnbildung und  Geschichtsbewusstsein.

Diese Fragestellungen sind im fachdidaktischen Teil Ihres Studiums angebahnt worden. Vielleicht konnten Sie auch schon einiges während der schulischen  Fachpraktika erproben. Während der Ausbildung am Seminar soll das nun vollendet werden. Entsprechend der Umkehrung der Blickrichtung verändert sich auch der Umgang mit dem im Unterricht eingesetzten Material. Es kommt nun nicht darauf an, dass aus einer möglichst großen Fülle von Quellen und anderen Medien ein komplexes  Bild zu erlangen gesucht wird, sondern es geht entscheidend um die Reduktion auf ein zentrales Medium. Es sollte exemplarisch über sich hinausweisen, an ihm  sollte möglichst viel zu erkennen sein (Sachverhalte wie Problemstellungen) und es sollte geeignet sein, in die Arbeit mit Quellen altersgemäß einzuführen und  Bezüge zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufweisen.

 

Wenn es Ihnen gelingt, auf dieser Basis ein Unterrichtsarrangement  (Verbindung von Medien, Sozial- und Arbeitsformen etc.) herzustellen, das Ihre  Lerngruppe befähigt, weitgehend selbständig zu einem hohen Erkenntnisgewinn zu  gelangen, dann haben Sie schon sehr viel auf dem Weg hin zu einem guten Unterricht geleistet. Die Ausbildung im Seminar soll Sie auf diesem Weg unterstützen. Sie kann und muss weitaus individualisierter erfolgen als an der Universität. Es geht darum,  dass Sie, in Zusammenarbeit mit den Ausbildern, herausfinden, wo Ihre besonderen unterrichtlichen Stärken liegen. Es gibt nicht nur eine Normstunde, in der sich der optimale Geschichtsunterricht zeigt. Nicht jeder kann in jeder Form unterrichten und es ist deshalb wichtig, ein Bewusstsein davon zu gewinnen, wie  der Unterricht aussehen könnte, der Ihnen besonders liegt. Das Referendariat ist  ein Zeitraum, der Sie dazu einlädt, Erfahrungen zu sammeln, mit sich, mit  Lerngruppen, mit dem System Schule, mit unterschiedlichen Unterrichtsformen, -gegenständen und Methoden. Im Laufe der Zeit werden Sie einen Methodenpool entwickeln, der es Ihnen ermöglicht, einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht zu  erteilen. Im Zentrum steht dabei zunächst die Bewältigung der alltäglichen Unterrichtssituation: 45 Minuten-Takt, Klassenverband, Klassenraum. Darüber hinaus sollten Sie aber Erfahrungen sammeln, die diese Grundlagen überschreiten und vielleicht in einem sich wandelnden Schulsystem von Bedeutung werden. Hier geht es dann um Projektunterricht, Fächerverbindung, Stationenarbeit,  Wochenplanunterricht, Freiarbeit, Arbeit an außerschulischen Lernorten etc.

 

Viele Wege führen nach Rom und Sie haben in der Ausbildung große Möglichkeiten, die Richtung selbst mitzubestimmen. Nehmen Sie diese wahr!!